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Interessantes für Unternehmen
25.02.2026

Bewerbungsflut 2026: Wie wir die Candidate Experience selbst abgeschafft haben

Noch vor wenigen Jahren sprachen wir im Recruiting über Wertschätzung, Candidate Experience und „Easy Apply“. Jede Bewerbung galt als Chance. Heute erleben wir das Gegenteil: Masse statt Passung, Geschwindigkeit statt Auseinandersetzung, Automatisierung statt Urteilskraft.
Was als Effizienzgewinn begann, entwickelt sich zunehmend zu einem System, das beide Seiten frustriert – Bewerbende wie Unternehmen.

25.02.2026

Bewerbungsflut 2026: Wie wir die Candidate Experience selbst abgeschafft haben

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Bewerbungsflut 2026: Wir haben die Candidate Experience beerdigt. Und tun überrascht.

Ich bin seit vielen Jahren im Recruiting. Ich habe die Zeit erlebt, in der wir händeringend jeden Kandidaten gesucht haben, der die Buzzwords richtig schreiben konnte.

Damals hiess es:

  • Hürden runter.
  • „Easy Apply“.
  • Maximale Candidate Experience.
  • Jede Bewerbung ist ein Geschenk.

Heute?

  • 300 Bewerbungen auf eine Stelle
  • KI-generierte Lebensläufe
  • Automatisierte Vorauswahl
  • Standardabsagen – verschickt, bevor ein Mensch die Unterlagen wirklich gelesen hat.

Und alle tun überrascht.

Die Wirtschaft schwächelt. Es werden weniger Stellen ausgeschrieben. Gleichzeitig steigen die Bewerbungszahlen massiv – Plattformen berichten von deutlich mehr Bewerbungen pro Ausschreibung als noch vor wenigen Jahren

Was ich in meiner täglichen Praxis sehe:

  • Bewerbungen, die offensichtlich nicht zur Rolle passen.
  • Profile, die auf jedes Buzzword optimiert sind.
  • Anschreiben, die perfekt formuliert – und komplett austauschbar sind.

Manchmal möchte ich ehrlich antworten:
„Sie wurden nicht abgelehnt, weil Sie nicht qualifiziert sind. Sondern weil Sie sich auf etwas beworben haben, das Sie offensichtlich nicht mal gelesen haben.“ Aber natürlich schicke ich eine Standardabsage.

Was passiert hier eigentlich?

  • Bewerber lassen KI Stellenanzeigen analysieren, Keywords extrahieren, Bewerbungen generieren – und verschicken im Akkord.
  • Unternehmen lassen KI Lebensläufe analysieren, Keywords prüfen – und sortieren im Akkord aus.

Das ist kein Recruiting mehr.
Das ist ein algorithmischer Stellungskrieg.

Beide Seiten handeln rational. Und gemeinsam erzeugen sie maximale Ineffizienz

Ich nutze selbst KI-Tools. Sehr gern sogar.
Aber ich überprüfe, was sie mir liefern.
Ich weiß, dass ein einzelner Prompt keine Rolle vollständig versteht.

Was mich zunehmend irritiert:
Der Glaube, dass mehr Filter, mehr Automatisierung und mehr Geschwindigkeit automatisch zu besseren Entscheidungen führen.

Das Gegenteil ist oft der Fall.

Wer 20 Must-have-Kriterien ins System kippt, bekommt exakt das, was er programmiert hat – und verliert alles, was nicht exakt ins Raster passt.

Mein persönlicher Appell – aus der Praxis:

  • Bewerber: Nutzt KI als Assistenz, nicht als Autopilot. Bewerbt euch gezielt. Qualität schlägt Quantität.
  • Unternehmen: Prüft eure Filter. Mehr Automatisierung ersetzt kein Urteil.

Weniger Masse.
Mehr echte Auseinandersetzung.
Mehr Verantwortung auf beiden Seiten.

Sonst reden wir bald nicht mehr über Candidate Experience –
sondern nur noch darüber, warum sie endgültig verschwunden ist.

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