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Interessantes für Kandidaten
03.09.2026

Motivationsschreiben 2026: Braucht es das überhaupt noch?

Jahrelang gehörte es einfach dazu: CV, Zeugnisse, Motivationsschreiben. Möglichst vollständig, möglichst professionell. Doch Bewerben hat sich verändert. Und damit auch die Frage, welche Unterlagen tatsächlich noch einen Unterschied machen. Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme aus Recruiter-Sicht.

03.09.2026

Motivationsschreiben 2026: Braucht es das überhaupt noch?

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Motivationsschreiben 2026: Der langsame Tod oder noch was wert?

«Mit grossem Interesse habe ich eure spannende Stellenausschreibung gelesen …»

OMG. Du hast das Inserat gelesen! Und dich nicht nur zu einem beherzten Klick auf „Apply“ hinreissen lassen.

Spass beiseite: Genau hier beginnt das Problem mit dem Motivationsschreiben 2026.

Nach vielen Jahren im Recruiting und einigen Tausend Bewerbungsdossiers bin ich bei Motivationsschreiben pragmatisch geworden. Ich lese sie durchaus – aber selten von oben bis unten. Zuerst schaue ich in deinen CV. Passt dein Profil grundsätzlich zur Stelle? Wo hast du die gesuchte Erfahrung gesammelt? Wie aktuell ist sie? Und erst dann interessiert mich, was du mir zusätzlich erzählen möchtest.

Seit KI perfekte Anschreiben in Sekunden produziert, gilt das noch mehr. Sprachlich makellos ist heute keine besondere Leistung mehr. Persönlich, konkret und relevant dagegen schon.

Wozu also noch ein Motivationsschreiben?

Um mir etwas zu sagen, was ich aus deinem CV nicht weiss.

Warum möchtest du genau diesen Job? Warum wechselst du gerade jetzt? Warum willst du nach zehn Jahren Konzern plötzlich in ein KMU? Warum reizt dich eine Führungsfunktion – oder weshalb möchtest du bewusst wieder näher ans operative Geschäft?

Das lese ich.

Dass du «hochmotiviert, teamfähig und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung» bist, dürfen wir dagegen voraussetzen.

Drei Fragen reichen

Ein gutes Anschreiben beantwortet eigentlich nur:

  • Warum diese Stelle?
  • Warum passt du dazu?
  • Warum ist dieser Schritt für dich jetzt richtig?

Wenn du dafür eine ganze Seite brauchst, ist meistens schon etwas schiefgelaufen.

Mach nicht das Anschreiben besser. Mach deinen CV besser.

Das ist einer der häufigsten Fehler, die ich in Bewerbungen sehe: Der CV bleibt allgemein – und alle wichtigen Informationen werden im Motivationsschreiben versteckt.

Bitte genau umgekehrt.

Deine relevanten Fachkenntnisse, Technologien, Projekte und Verantwortlichkeiten müssen im CV schnell auffindbar sein. Gerade heute, wenn Bewerbungen digital verarbeitet und teilweise automatisiert vorsortiert werden.

Mein Rat aus der Praxis: Pass deinen CV an die Stelle an. Nicht die Wahrheit – die Gewichtung.

Bei komplexeren Fachprofilen kann auch ein kleines Skill Sheet mehr bewirken als eine Seite Prosa:

Gesucht

  • GMP
  • Batch Release
  • Deviations/CAPA
  • Sterile Manufacturing

Das bringst du mit

  • 7 Jahre Pharma
  • seit 2023
  • Investigation Lead
  • Vials & PFS

Als Recruiterin liebe ich so etwas. Vier Zeilen – und ich weiss mehr als nach drei Absätzen «Leidenschaft».

Darf ChatGPT dein Anschreiben schreiben?

Natürlich.

Wir schreiben das Jahr 2026. Es wäre ziemlich weltfremd, KI nicht zu benutzen.

Lass deinen Text kürzen, verbessern oder strukturieren. Lass Stelleninserat und CV vergleichen. Lass prüfen, welche Anforderungen in deinem Dossier noch nicht gut genug sichtbar sind.

Aber einen entscheidenden Rohstoff musst du selbst liefern: deinen Gedanken.

Warum willst du diesen Job wirklich?

Denn wenn du ChatGPT nur sagst: «Schreib mir ein professionelles Motivationsschreiben für diese Stelle», bekommst du genau das.

Ein professionelles Motivationsschreiben.

Und davon haben wir Recruiter inzwischen wirklich genug.

Was 2026 wieder wichtiger wird: Menschen

KI macht Bewerben einfacher. Das führt aber auch dazu, dass mehr Bewerbungen verschickt werden. Genau dieses Paradox beschreibt auch die aktuelle Diskussion auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Mit der wachsenden Flut KI-unterstützter Bewerbungen könnten persönliche Kontakte und der verdeckte Stellenmarkt wieder wichtiger werden.

Das passt zu meiner Erfahrung aus der Personalberatung: Ein guter Kontakt, eine persönliche Empfehlung oder ein Recruiter, der dein Profil und seinen Markt wirklich kennt, kann mehr wert sein als deine 27. perfekt formulierte Onlinebewerbung.

Also: Bewirb dich. Aber rede auch mit Menschen.

Meine 5 Regeln für 2026

  1. CV zuerst. Dort müssen deine Qualifikationen sichtbar sein.
  2. Anschreiben kurz. Eine halbe Seite reicht meistens locker.
  3. Schreib nur, was etwas erklärt. Wiederhole nicht deinen Lebenslauf.
  4. KI ja – KI-Sprech nein. Nutze das Werkzeug. Aber behalte deine eigene Stimme.
  5. Denk über den Upload-Button hinaus. Netzwerk, Direktkontakte und spezialisierte Recruiter gehören genauso zur Stellensuche.

Und wenn dir gar nichts einfällt?

Dann schreib lieber kein Meisterwerk über deine Begeisterung für innovative Unternehmenskulturen und spannende neue Herausforderungen.

Investier die Zeit in einen richtig guten CV.

Den lese ich nämlich ganz bestimmt.

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