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07.05.2026

LEADERSHIP! Wer tut sich das heute noch an?

Die Diskussion rund um Führung wird oft zu einfach geführt. Home Office, Generation Z oder fehlender Ehrgeiz greifen als Erklärung zu kurz. Die eigentlichen Gründe liegen tiefer — besonders in der Schweizer Life-Science-Industrie.

07.05.2026

LEADERSHIP! Wer tut sich das heute noch an?

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Sind Führungsstellen in der Schweizer Life-Science-Industrie nicht mehr attraktiv?

Die Pharma Industrie reorganisiert. Schon wieder.

  • Standorte werden geschlossen.
  • Abteilungen verschoben.
  • Strategien neu ausgerufen.
  • Management ausgetauscht.
  • Teams restrukturiert.

Und kaum hat man sich an die neue Organisation gewöhnt, beginnt bereits die nächste Transformation. Gleichzeitig wundert man sich, warum immer weniger Menschen Lust auf Führungsverantwortung haben.

Besonders in der Schweizer Life-Science-Industrie wird das Thema gerne vereinfacht:
„Die junge Generation will halt nur noch Home Office und Teilzeit.“

Ganz ehrlich? Das ist zu billig. Denn die Realität in Pharma, Biotech, Medtech oder der chemischen Industrie ist komplexer:

  • Forschung
  • Entwicklung
  • Produktion
  • Qualität
  • Technical Operations

Das sind keine reinen Laptop-Jobs. Innovative Medikamente entstehen nicht zwischen zwei Zoom-Calls vom Küchentisch aus. Sterile Produktionsprozesse laufen nicht im Home Office. Technische Probleme in einer Anlage lösen sich nicht per Teams-Emoji.

Diese Industrie lebt von Menschen, die präsent sind. Mental und physisch. Und genau dort beginnt das Problem.

Eine Führungsrolle in einem produzierenden oder entwickelnden Betrieb bedeutet heute:

  • Dauernde Veränderungen
  • Hohe Verantwortung
  • Permanente Erreichbarkeit
  • Entscheidungen unter Unsicherheit
  • Konflikte moderieren
  • Zwischen internationalem Management und operativer Realität vermitteln
  • Mit regulatorischem Druck umgehen
  • Teams motivieren, obwohl die nächsten dunklen Wolken bereits am Horizont aufziehen

Das mittlere Management ist vielerorts zur Verschleissposition geworden. Von oben kommen Sparprogramme. Von unten Frustration. Dazwischen sitzen Führungskräfte, die alles auffangen sollen.

Und gleichzeitig erzählen Unternehmen ihren Mitarbeitenden seit Jahren etwas von „People First“, während im Hintergrund Stellen weggedacht werden. Vielleicht ist die Zurückhaltung gegenüber Führung deshalb gar kein Zeichen von Faulheit oder fehlendem Ehrgeiz. Vielleicht haben viele einfach sehr genau beobachtet.

Beobachtet, wie schnell Loyalität heute endet. Wie austauschbar Menschen teilweise behandelt werden. Wie stark kurzfristige Strategien langfristige Beziehungen zerstören. Warum sollte jemand seine Energie, seine Gesundheit und seine Zeit investieren, wenn Verbindlichkeit auf Unternehmensseite immer seltener wird?

Und trotzdem:
Ich glaube weiterhin, dass genau dort die spannendsten Aufgaben liegen. Eine höhere Ausbildung aus Technik, Naturwissenschaft oder Wirtschaft war nie dafür gedacht, möglichst konfliktfrei durch den Arbeitsalltag zu gleiten.

Sondern dafür,

  • Verantwortung zu übernehmen
  • schwierige Entscheidungen zu treffen
  • komplexe Probleme gemeinsam zu lösen
  • unter Druck handlungsfähig zu bleiben
  • Organisationen mitzugestalten

Das ist anstrengend. Aber genau darin liegt auch Sinn, Entwicklung und echte Wirksamkeit. Die Herausforderung, gemeinsam schwierige Situationen zu meistern, wird in Zukunft weder von KI noch von einem Roboter erledigt werden.

Es braucht nicht weniger Führungskräfte! Es braucht auch nicht weniger Home Office. Sondern Unternehmen und Mitarbeitende, die wieder gemeinsam Lust entwickeln, Verantwortung zu übernehmen, Herausforderungen anzupacken und Organisationen aktiv mitzugestalten.

Denn genau dort entstehen Innovation, Fortschritt und am Ende auch die stärksten Teams.

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